KI-Agenten sind 2026 endgültig im Alltag angekommen und zwar nicht mehr nur als Chat-Fenster im Browser, sondern als eigenständige Programme, die für euch arbeiten: Sie lesen euren Code, schreiben neue Dateien, leeren Postfächer, verwalten Kalender, buchen Flüge oder erledigen Aufgaben über WhatsApp, Telegram oder Discord. Damit das rund um die Uhr und von überall funktioniert, gehört so ein Agent nicht auf den Laptop, sondern auf einen Server. Genau hier kommt euer VPS (Virtual Private Server) ins Spiel.
In dieser Reihe zeige ich euch Schritt für Schritt, wie ihr verschiedene KI-Agenten auf eurem eigenen Server installiert, sauber einbindet und mittels Login absichert.
Wichtig vorab: Wir betreiben keine eigenen LLMs
Bevor jemand falsche Erwartungen bekommt: In dieser Reihe geht es nicht darum, große Sprachmodelle selbst auf dem VPS laufen zu lassen. Das wäre auch unrealistisch. Ein typischer VPS mit 4 bis 16 GB RAM und ohne dedizierte GPU ist schlicht zu schwach, um aktuelle Open-Source-Modell wie Qwen oder DeepSeek sinnvoll auszuführen. Wer das versucht, bekommt entweder katastrophale Antwortzeiten, einen völlig überlasteten Server oder muss sich mit so kleinen Modellen begnügen, dass die Ergebnisse für ernsthafte Arbeit unbrauchbar sind.
Stattdessen machen wir es so: Der Agent (Claude Code, OpenClaw, Hermes Agent & Co.) läuft auf eurem VPS, die eigentliche „Intelligenz”, also das große Sprachmodell, wird per API-Schnittstelle bei den großen Anbietern abgefragt. Konkret heißt das: Ihr braucht einen API-Key von Anthropic, OpenAI, OpenRouter oder einem ähnlichen Anbieter. Der Agent schickt die Anfragen dorthin, bekommt die Antworten zurück und führt die nötigen Aktionen auf eurem Server aus. Das ist günstig, schnell und liefert die Qualität, die ihr von ChatGPT oder Claude.ai gewohnt seid.
Warum dann überhaupt ein VPS?
Wenn das Modell sowieso in der Cloud läuft, warum dann nicht einfach die Web-Oberfläche von Claude oder ChatGPT nutzen? Genau hier liegt der entscheidende Unterschied:
- 24/7 erreichbar: euer Agent läuft durch, auch wenn der Laptop zugeklappt ist. Cron-Jobs, Heartbeats und Hintergrund-Tasks erledigen sich von selbst.
- Echte Aktionen statt Chat: ein Agent auf eurem Server kann Dateien anlegen, Mails versenden, eine Webseite deployen oder Docker-Container starten. Das kann eine reine Chat-Oberfläche nicht.
- Anbindung an Messenger: Tools wie OpenClaw lassen sich an WhatsApp, Telegram, Discord oder Signal koppeln. Ihr schreibt eurem Agenten unterwegs vom Handy aus, was er erledigen soll.
- Lang laufende Aufgaben: ein Refactoring, das eine Stunde dauert, blockiert nicht euren Arbeitsrechner. Ihr feuert es ab und bekommt am Ende eine Nachricht, wenn’s fertig ist.
Ein Wort zur Sicherheit und warum die hier zentral ist
Jetzt zum wichtigsten Punkt überhaupt: Ein KI-Agent auf einem öffentlich erreichbaren VPS ist eine völlig andere Hausnummer als eine simple Web-App. Wir reden hier von einem Programm, das auf eurem Server Shell-Befehle ausführen, Dateien lesen und schreiben, Mails versenden, API-Keys verwalten und im Web surfen kann.
Deshalb gilt für alle Anleitungen in dieser Reihe ohne Ausnahme:
- Niemals ohne Authentifizierung erreichbar machen. Traefik + CrowdSec ist das Minimum. Darüber gehört in jedem Fall ein zusätzlicher Authentikation-Layer zum Beispiel Authelia, das wir mit 2FA absichern.
- Den Agenten in einer Sandbox laufen lassen, wo immer es geht. Ein Docker-Container mit eingeschränkten Mounts ist Pflicht, kein „Nice to have”.
- Logs aktivieren und regelmäßig prüfen. Ein Agent, der unbemerkt seltsame Aktionen ausführt, ist schlimmer als gar kein Agent.
Die Übersicht: diese Agenten zeige ich euch
1. Claude Code
Claude Code ist Anthropics offizieller Coding-Agent und aktuell der Goldstandard, wenn es um KI-gestützte Softwareentwicklung geht. Er läuft als Terminal-Anwendung, versteht komplette Projekte, kann MCP-Server einbinden und im Auto-Mode auch längere Aufgaben eigenständig abarbeiten, von „schreib mir Tests für diese Datei” bis hin zu „baue dieses Feature um, prüfe es und mach einen Pull Request auf”. Auf dem VPS installiert, klinkt ihr euch per SSH oder WebGui ein und arbeitet wie in einer ganz normalen Shell, nur dass am anderen Ende ein extrem fähiger KI-Agent sitzt.
→ Link zur Anleitung: https://goneuland.de/claude-code-mit-web-gui-mit-docker-compose-und-traefik-installieren/
2. OpenClaw
OpenClaw ist von allen Agenten in dieser Reihe der wohl Bekannteste. Im Gegensatz zu Claude Code ist OpenClaw kein reiner Coding-Agent, sondern ein persönlicher KI-Assistent, den ihr per WhatsApp, Telegram, Discord, Signal, Slack oder iMessage ansprecht. Er hat persistentes Memory, lernt eure Vorlieben kennen, kann im Browser surfen, Mails lesen und schreiben, Dateien anlegen und sogar eigene Skills hinzufügen, also seine Fähigkeiten selbständig erweitern. Praktisch wie ein digitaler Mitarbeiter, der 24/7 auf eurem Server sitzt und auf eure Nachrichten wartet. Genau deshalb ist hier die Absicherung absolut kritisch: Wer Zugriff auf den OpenClaw-Bot hat, hat im Zweifel Zugriff auf euer komplettes digitales Leben.
→ Anleitung kommt demnächst
3. Hermes Agent
Hermes Agent ist quasi die Königsklasse unter den persönlichen KI-Agenten in dieser Reihe und gilt als “verbesserte Version” von OpenClaw. Konzeptionell verfolgt Hermes denselben Ansatz wie OpenClaw, ein autonomer Agent, der auf eurem Server lebt und über Telegram, Discord, Slack, WhatsApp, Signal, E-Mail oder die Kommandozeile erreichbar ist, geht aber an zwei entscheidenden Stellen deutlich weiter:
Echtes persistentes Gedächtnis. Hermes vergisst nichts. Er merkt sich, an welchen Projekten ihr arbeitet, welche Tools ihr nutzt, welche Vorlieben ihr habt und vor allem: wie er bereits gelöste Probleme gelöst hat. Wenn ihr ihn morgen wieder vor eine ähnliche Aufgabe stellt, fängt er nicht bei Null an, sondern baut auf dem auf, was er beim letzten Mal gelernt hat. Genau dieser „grows the longer it runs”-Ansatz macht den Unterschied zu einem klassischen Chatbot aus und das ist auch der Punkt, an dem OpenClaw zwar Memory bietet, Hermes aber spürbar konsequenter umsetzt.
Selbstgenerierte Skills. Stößt Hermes auf eine Aufgabe, die er noch nicht erledigen kann, schreibt er sich die nötigen Skills selbst und legt sie für die Zukunft als wiederverwendbare Bausteine ab. Aus einem Agenten wird so über Wochen und Monate ein hochgradig persönliches Werkzeug, das immer besser zu eurer Arbeitsweise passt.
→ Anleitung kommt demnächst
